„Es tönen die Lieder…“- Warum sie summend die Corona-Krisenzeiten besser überstehen

Wie die Zeit vergeht! Agnetha von der Popgruppe Abba wird heute 70 Jahre alt, und die immer ein wenig durchs Leben tobende Barbara Rütting ist im Alter von 92 Jahren am Wochenende leider verstorben. Auch die Corona-Krise bestimmt unser Leben schon einige Wochen: ein unendlicher Zeitkorridor schien vor mir zu liegen und fast erscheint mir auch diese Zeit nun schnell vergangen. Gerade in den letzten Tagen erreichen mich sehr positiv gestimmte Mails von LeserInnen und Lesern, die sich inzwischen offenbar, trotz großen Kindheitsbelastungen, gut in der Corona-Krise, teils mit völliger Quarantäne, zurechtgefunden haben. Von Zeitgeschenken, wunderbaren Naturerfahrungen, entdecktem inneren Reichtum und erlebter Verbundenheit trotz Kontaktsperre ist in Ihren Mails die Rede – ich danke Ihnen sehr für diese Rückmeldungen, die mich berühren und ungeheuer freuen!

Pfeiffen, summen, Musizieren, schlafen- so unterschiedliche Copings

So unterschiedlich wie unsere jeweiligen Lebensweisen, so unterschiedlich sind offenbar auch unsere Bewältigungsstrategien. Der Musiker Daniel Barenboim etwa spielt viel Klavier, schläft 12 Stunden und konstatierte, wie in der SZ nachzulesen, dass sich auch nach einem eingenommenen Frühstück wunderbar weiter schlafen ließe…Musik und Krise scheinen ein unschlagbares Duo: sie finden nicht selten zueinander, wie uns nicht zuletzt einige Biografien bekannter Komponisten zeigen. Aber auch im Kleinen scheint Musik hilfreich sein zu können. Ich erinnere mich gut an meine langjährige Taetigkeit als Musiktherapeutin einer Gesamtschule: wie wichtig den Kindern dort Musik war. Und etwas Seltsames war auffällig: dass viele von Ihnen oft leise, immer und überall, vor sich hin summten. Manche berichteten, dass ihr Summen andere nerve, aber dass es ihnen gut tue, Sicherheit gebe: ein Gefühl von Halt und mit sich selbst verbunden sein. Wie so oft, hatten die Kinder, die meist aus krisengeprüften Familien und Situationen stammten,  damit einen gesunden Bewältigungsweg für sich gefunden.

Singen, Summen,Voodoozauber?

Sich selbst helfen durch summen und singen? Das ist ist kein Voodoozauber. Lassen Sie uns ein wenig ausholen: gerade wenn wichtige kindliche Beziehungen negativ, belastend, ablehnend erlebt wurden, geht das mit körperlichem Stress einher.Betroffene können, hält dieser Stress lange, oft über Jahre, ein ganzes Leben gar, an, kaum noch entspannen. Nervensystem und Hormonhaushalt aktivieren Notfallprogramme für Stress, ohne wieder, da dieser dauerhaft anhält, in einen Ruhemodus zu gelangen. So befinden sich Menschen aus belasteten Familien in dauerhaften Ausnahmesituationen, auf die der Körper mit der Ausschüttung von Kortisol reagiert. So wichtg dieses Hormon bei Stresssituationen ist, so schädlich ist es, wenn es dauerhaft im Organismus agiert. Die Bildung weißer Blutzellen wird gehemmt, im letzten wird das Immunsystem geschädigt. Während diese Anfälligkeit in jungen Jahren teils noch kompensiert werden kann, gelingt diese Anpasssung mit zunehmendem Alter schlechter. Zahlreiche Erkrankungen können auftreten. Diese Erkrankungen können wir letztlich nicht ausschließen: aber wir können Ressourcen aktivieren. Musik kann eine zusätzliche Selbstheilungsressourcesein. Der Forscher und Arzt Benson hat eindrucksvolle Forschungsergebnisse geliefert ( The Relaxation Response, 1975/Weiterführendes zum „Heilsamen Singen“ auch bei Wolfgang Bossinger http://traumzeit-verlag.de/verlagsprogramm–shop/gesamtverzeichnis/die-heilende-kraft-des-singens.php) Angst wird nachweislich gesenkt, die Körperfunktionen normalisiert: die Stimmung wird gehoben.

Also, vielleicht ist es ja ein Abbasong, den sie heute summen mögen, ein Kirchenlied, eine kleine Melodie: versuchen Sie es! Summen kann gut tun!

Herzliche Grüße

Ihre

Waltraut Barnowski-Geiser

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