Infektiös: Wie das Corona-Virus Familienklima befällt!…und wir uns im Fernhalten auf die Pelle rücken

 Unser aktuell Gestalt gewordener Urzeittiger heißt  Coronavirus. Da er hoch infektiös zu sein scheint und sich rasant schnell von Mensch zu Mensch springt, müssen wir uns zugleich von Menschen fernhalten und in der Familie zusammenrücken. Das kann in vielen Familien zu einem Hochkonfliktherd werden.

Das Thema Corona und Familiendynamik rückte nicht zuletzt durch Ihre Fragen ins Zentrum. Trifft Krise auf eine eh krisenbelastete Familie, haben wir es mit einem riesigen Komplex, einem Knäuel aus Gefühlen, Verwicklungen, Schuld, Abhängigkeit zu tun, einer toxische Pulverfassmischung: Vorsicht, bitte nicht zündeln, scheint angesagt. Dazu heute mehr… in den nächsten Tagen werden wir uns das familiäre Knäuel ein bisschen genauer ansehen… auch Katharinas wichtige, im Kommentar gestellte, Frage Wie umgehen mit alten Eltern, wenn die Beziehung belastet war…

 Viele Menschen berichten augenblicklich über Konflikte mit ihnen nahestehenden Menschen. Konflikte, die sie so vorher nicht kannten. Sie „kennen sich selbst gerade nicht mehr“ . Was ist bloß mit uns los? In der Provinz Wuhan sind die Scheidungszahlen in die Höhe geschnellt – in Deutschland schrillen die Alarmglocken für den Kinderschutz, den Schutz der Schwachen überhaupt. Wir alle sind durch die Krisensituation in einen Panikmodus gekommen – unsere Urängste sind aktiviert, wir drohen von diesem Panikmodus geleitet zu werden. Das Coronavirus ist unser Säbelzahntiger der Urzeit und je nach Charakter, Temperament und Erfahrung reagieren wir mit Erstarren, Flüchten oder Kämpfen. Die unterschiedlichen Krisenbewältigungsmodi treffen in der häuslichen Verdichtung ungefiltert aufeinander:

Da schreit und tobt etwa der Vater, kämpfend will er Herr über die Situation werden, da schweigt die Mutter stumm und erstarrt in der Ecke, still und ruhig sein, so hat sie gelernt in ihrem Leben, hilft am besten, was ihren Partner wütend macht: wie kann man einfach nur so dasitzen, während der 14jährige Filius in virtuelle Welten abtaucht- eben aus dem Jetzt flüchtet… und nicht versteht, warum die Eltern so einen „Alarm machen“.

Wir müssen es akzeptieren: wir haben unterschiedliche Krisenbewältigungsmechanismen im Gepäck und wir setzen sie nicht ein, um den oder die anderen zu ärgern, sondern um selbst halbwegs gut durch die Notsituation zu kommen. Wenn uns das klar, sogar miteinander besprechbar wird, kann ein Stück Entspannung eintreten: Ja, es ist normal in Krisenzeiten Konflikte zu haben. Und auch das Stummsein,  das eisige Schweigen, kann ein solcher Konkliktabgrund werden, den viele aus Kindheitstagen allzu gut kennen. In den neuen, aktuellen Szenen zeigen sich die alten. Und so scheint auch in vielen Familien eine Erste Hilfe von Nöten, so schwer es auch fällt, „wo doch gerade einmal Zeit da ist“: größere Konflikte später angehen! Jetzt schauen, wie gut gemeinsam durch die Tage zu kommen ist. Bei Regeln auch mal 5 gerade sein lassen – wenn draußen mehr Normalität herrscht, kann das alte Regelgerüst schnell wiederbelebt werden. Und das soziale Netzwerk, wenn es denn besteht, kann gerade unglaublich wichtig sein… Und warum für erwachsene Kinder aus belasteten Familien ein gesunder Egoismus oft lebensnotwendig ist, dazu morgen hier mehr.

Einen guten Start in die Woche, scheint bei Ihnen auch die Sonne? Dann lassen Sie uns rausgehen, solange wir können…

Vielleicht üben Sie draußen das AWOKADO-Stärkungs-Ritual, indem Sie jeden dieser Sätze in eine Geste übersetzen und diese 3x bewusst tun…mehr dazu demnächst, vielleicht auch als gesprochene Anleitung.

          Das AWOKADO-Stärkungsritual

  1. Ich achte auf mich
  2. Ich schütze mich!
  3. Ich würdige meine Belastung und meine Stärken
  4. Ich spüre den Boden, der mich trägt!
  5. Ich öffne mich!
  6. Ich drücke aus, was mich bewegt!
  7. Ich verbinde mich mit Menschen, die mir gut tun!

Nach Barnowski-Geiser, W. ( 2015/19). Vater, Mutter, Sucht. Wie erwachsene Kinder suchtkranker Eltern trotzdem ihr Glück finden. Klett-Cotta-Verlag

Herzliche Grüße

Ihre

Waltraut Barnowski-Geiser

 

Dr. Waltraut Barnowski-Geiser ist Musiktherapeutin mit dem Schwerpunkt Kinder und Erwachsene aus Sucht-belasteten Familien, Autorin und Lehrende/Praxis KlangRaum in Erkelenz im Rhld.

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