Disziplin: Abgesang auf eine nicht immer hilfreiche Tugend

Disziplin wird in unserer Gesellschaft als eine Tugend gehandelt: wer sich selbst kasteien kann, disziplinieren für einen vermeintlich guten Zweck ( zum Beispiel für tolles Aussehen, eine schlanke Figur, ein berufliches Ziel) erhält in der Regel eine hohe gesellschaftliche Anerkennnung. Wenn diese Disziplin jedoch nicht auf einem tieferen Antrieb ruht, auf einer tieferen Sinnhaftigkeit etwa, einer Begeisterung oder Leidenschaft etwa, dann droht o gelebte Disziplin, wie es die Künstlerin Julia Cameron treffend beschreibt, eine kurzlebige Batterie zu werden. Sie kann  dann  in Leere und Sinnlosigkeit führen statt in Erfüllung,Disziplin verkommt zum Selbstzweck.

Für Menschen mit Kindheitsbelastungen hat Disziplin oftmals eine besondere Bedeutung, sie kennen Ohnmachtserfahrungen zu Hauf: Disziplin und Kontrolle erscheinen als probates Gegenmittel. Viele erlebten in ihrer Kindheit als Modelle Eltern mit schweren Belastungen, etwa mit Suchtproblemen.  Menschen mit Suchtproblemen schwappen zwischen Maßlosigkeit und Kontrolle: fehlt ein sinnhaftes Dazwischen, liegt das Abdriften in den Rausch oder andere suchtähnliche Verhaltensweisen erschreckend nah. Unter militärisch diszipliniertem Tun geht dann allzuleicht Lebensqualität verloren.In suchtfreien Phasen wird etwa in betroffenen Familien eisern Disziplin gehalten, alle wachen mit Argusaugen über ihre Einhaltung, aber irgendwie, so stellen die Familienmitglieder fest, fehlt etwas. Der Suchterkrankte versucht dies oftmals über das Suchtmittel zu finden.

„Die Qualität des Lebens steht immer im Verhältnis zu der Fähigkeit, Freude zu empfinden. Die Fähigkeit, Freude zu empfinden, ist das Geschenk, das man erhält, wenn man aufmerksam ist“ ( Julia Cameron)

Wie aber finde ich diese Lebensqualität, fragen gerade Menschen mit Kindheitsbelastungen und landen wieder und wieder in quälenden Zielvorgaben, die angeblich mit angemessener Disziplin zum Glück im Morgen führen.

Es gibt natürlich kein Rezept. Aber die Disziplin etwas loslassen und mehr Achtsamket in den Alltag bringen, beschrieben Menschen als erfüllend. Diesen Weg können Sie jetzt sofort beginnen: Erste Schritte eröffnet das achtsame Atmen ( dazu weitere Beiträge auf diesen Seiten) und die Konzentration auf Ihre Sinne. Riechen, schmecken, fühlen,tasten, sehen, hören… Machen sie doch jeden Tag dieser Woche zu einem Tag einer Ihrer Sinne…

Viel Vergnügen wünscht

Ihre

Waltraut Barnowski-Geiser

Waltraut Barnowski-Geiser ist Therapeutin, Lehrende und Autorin. Vater, Mutter, Sucht (2015) und Hören, was niemand sieht (2009) sind ihre Bücher zur Thematik. In der Praxis KlangRaum in Erkelenz bietet sie Hilfe für Menschen mit Kindheitsbelastungen auf der Basis des von ihr entwickelten AWOKADO-7-Schritte-Programms

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