„Ich hasse dich, verlass mich nicht!“- Kriegsschauplatz Borderlinekindheit

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Auf unschöne Weise wird in den Erzählungen von erwachsenen Kindern borderlineerkrankter Eltern der Anklang an den berühmten Film wach: …“und täglich grüßt das Murmeltier.“ So wie beim Protagonisten des Films wiederholt sich von Tag zu Tag die Szenerie: eine Szenerie, die einem Kriegsschauplatz ähnelt. Nahkampfgefechte, Hasstiraden, gefolgt von Vernichtung und immer wieder plötzlich unerwartetes Überschütten mit Liebe, meist gerade dann, wenn sich die Kinder beginnen zu distanzieren. Die so betroffenen Kinder wissen nie, wie ihnen geschieht, sie wissen nie, was sie als nächstes wartet. Ein schlimmer Tango zwischen „Ich hasse dich, verlass mich nicht“ (gleichnamiger Buchtitel von Kreisman&Straus) beginnt hier oft schon mit dem Erblicken der Welt.

Sie erkennen sich hier wieder, Ihre Eltern hatten keine Borderlinediagnose? Oftmals geht die elterliche Erkrankung auch mit Suchterkrankungen einher und ist darunter /dahinter versteckt, oftmals wird die Erkrankung nie öffentlich, da die Erkrankten es scheuen, ärztliche oder therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Kinder unbehandelt Erkrankter leiden in der Regel besonders, da kaum Hilfe und Mitgefühl aus dem Außen zu erwarten ist: niemand weiß etwas, die Krankheit existiert nicht und damit auch nicht das Leiden der mitbetroffenen Angehörigen, insbesondere der Kinder!

Und immer wieder erstaunt mich, wie auch diese Kinder Wege finden, mit diesen elterlichen Erkrankungen umzugehen. Auch wenn sie oftmals noch als Erwachsene darum kämpfen, sich endlich von den Eltern im Guten lösen zu können, entwickeln sie auf ihrem Weg erstaunliche Stärken. Der erste Schritt, das Recht auf das eigene unabhängige Leben einzufordern, muss meist unter schweren Anstrengungen errungen werden. Ist dieser Schritt getan, müssen diese erwachsenen Kinder sich das sein, was sie selbst nicht hatten: gute, bindungszuverlässige und berechenbare Eltern. Gute Eltern Sein für die kindlichen Anteile, die im Inneren wach sind. Es ist nie zu spät, diesen Anteilen mit Trost und Liebend zu begegnen: es reicht meist nicht, nur um diese Anteile einfach zu wissen oder sich einmal damit zu beschäftigen: die kindlichen Anteile müssen Teil des Lebens heute werden, in das Erwachsenenleben integriert werden.

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Ich wünsche Ihnen eine gute Woche, mit warmen Kerzenlicht in der gerade so trübe wirkenden Zeit

Ihre

Waltraut Barnowski-Geiser

Autorin Dr.Waltraut Barnowski-Geiser:

Bücher zum Thema: Vater, Mutter, Sucht (2015); Hören, was niemand sieht (2009).

Therapie für Erwachsene mit Kindheitsbelastungen auf der Basis des  AWOKADO-Konzeptes in der Praxis KlangRaum in Erkelenz.

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