Unterschätzt und übersehen: die Stärken der Suchtkinder

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Kinder aus Suchtfamilien, und das wurde die längste Zeit (sogar in Forschungsaktivitäten jüngerer Zeit) sträflich übersehen, entwickeln auch besondere Stärken. Diese Stärken zeichnen die betroffenen Kinder in besonderer Weise aus; sie sind ihnen jedoch meist selbst wenig bewusst. Da sie für Ihre besonderen Leistungen in ihren Familien kaum Anerkennung erhielten, sogar eher zum Sündenbock gestempelt wurden, ist ihnen der Zugang zu ihren Stärken oft verwehrt: sie übersehen diese als Erwachsene so, wie sie es im Kindesalter durch die eigenen Eltern erfahren haben. Die betroffenen Kinder geraten in eine Tabu-Stärkenfresserspirale. In der elterlichen Scham über das eigene Unvermögen, elterliche Fürsorge angemessen und dauerhaft anzubieten, sondern diese viel zu früh an das Kind delegiert zu haben, fällt die alltägliche Höchstleistung des Kindes unter den Tisch. Es beginnt eine Negativspirale in einer verquer anmutenden familiären Dynamik: Keine (Sucht)-Erkrankung, kein elterliches Versagen, kein Leiden und folglich keine besondere Leistungen der Kinder. Über Jahrzehnte gelebt, wird diese Spirale Teil der Selbstzuschreibung der Kinder: das erwachsene Suchtkind leistet und leistet, und bewertet das in vertrauter Manier: „Ich habe doch gar nichts gemacht!“ Kommen dann noch entsprechende Partner, Arbeitskollegen oder Chefs dazu, wiederholt sich die Tabu-Stärkenfresserspirale allzu ungut.Die Tabu-Stärkenfresserspirale tritt auch bei anderen elterlichen Erkranungenauf, die mit Tabusisierung einhergehen ( z.B. elterliche psychische Erkrankung, elterliche Traumatisierung etc.)

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4 Kommentare zu „Unterschätzt und übersehen: die Stärken der Suchtkinder

  1. Danke für die tollen Beiträge! Ich möchte diesem besonderen gerne etwas hinzufügen:
    Wenn es im Leben der Erwachsenen Kinder aus Suchtfamilien Partner_innen, Chef_innen etc gibt, die die Stärken erkennen, wertschätzen und fördern, sind die Betroffenen oft völlig überfordert damit und können das Lob, die positiven Rückmeldungen kaum ertragen.

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    1. Liebe Katharina, danke für deine wertschätzende Rückmeldung, die mich freut.
      Lob anzunehmen fällt Kindern aus belasteten Familien auch deshalb so schwer, weil das Lob der Eltern, wenn es zu hören war, oftmals in den Dienst des Erkrankten, etwa des, Süchtigen gestellt wurde: „Du bist so ein wunderbares Kind, jetzt holst du mir was Gutes zu trinken!“ u.ä. berichten Betroffene. Eine wirklich schwierige Gratwanderung zwischen Vertrauen und Misstrauen- danke für deinen wichtigen Hinweis,Katharina.

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