„Einfach“ glücklich sein oder: Ist es wirklich nie zu spät für eine schöne Kindheit?

Wenn es möglich wäre, glückliche Kindheit nachzuholen, dann beinhaltete das doch unendliche Möglichkeiten: Vergangenes Leid wäre demnach in der Gegenwart zu verwandeln, Glück wäre machbar. Ist es wirklich nie zu spät für eine glückliche Kindheit? Machen Sie etwas falsch, wenn Sie sich aktuell nicht gut fühlen? Die Beantwortung unserer Ausgangsfrage scheint nicht leicht.Oftmals stellt sich in therapeutischer Arbeit heraus, dass Eltern oder andere Menschen in der Kindheit viel falsch gemacht haben, ihrer Sucht gefolgt sind, sich kaum gekümmert haben etwa: und nicht der Belastete selbst. Um dies herauszufinden, benötigen Menschen oft Krisen: alles bricht zusammen, die alte Weise zu denken, das Wertsesystem, womöglich wichtige Beziehungen…und nun wird die Krise zum Wendepunkt. Und damit oft zur Chance..

Neustart: Hinwenden statt Kompensieren

Die meisten Menschen mit tiefgreifenden Kindheitsverletzungen versuchen, ihre kindlichen Anteile zu übergehen. Sie versuchen (und das ist aufgrund der Verletzungen, die in ihnen wohnen, verständlich) ihr Bedürfnis nach Liebe, nach Wertschätzunmg, nach gesehen und gehört Werden zu kompensieren: aus dem Hunger nach Liebe wird übermäßiges Essen oder Trinken, aus dem Wunsch nach Gesehen Werden wird übermäßiges Arbeiten etc.

„Ich habe doch nur mitgetrunken, um meinen Mann besser steuern zu können!“

„Ich habe doch nur mitgetrunken, um meinen Mann besser steuern zu können!“, erzählt eine Angehörige (Flassbeck 2016, MuG). In diesem Satz zeigt sich die ohnmächtige Verstrickung von Angehörigen auf erschreckende Weise. Jens Flassbeck untersucht diese in seinem Artikel in der neuen MuG  anhand eines Praxisbeispiels eindrücklich: Co-Abhängigkeit live und anfühlbar. Nur langsam arbeitet es sich […]